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Nora

von Henrik Ibsen, Konzert Theater Bern, Vidmar 1, Premiere: 12. März 2016

Regie: Ingo Berk, Bühne: Damian Hitz, Kostüme: Eva Krämer, Daramturgie: Kristina Wydra. Musik: Patrik Zeller, Cello: Andreas Kühnrich. Mit Sophie Melbinger, Arne Lenk, Zoe Hutmacher, Jonathan Lossli, David Berger.

Heile Welt bei den Helmers: Ehemann Thorvald wurde zum Bankdirektor befördert. Nach Jahren der Bescheidenheit und des Sparens sieht man einem Leben in Wohlstand entgegen, die Kinder werden sorglos aufwachsen – so, wie auch Nora selbst, als behütete Tochter. Dass auf dem Weg zu seinem Aufstieg Köpfe rollen müssen, nimmt Thorvald gelassen; den verachteten Krogstad, der sich einst eines Betrugs schuldig gemacht hat und im Gefängnis war, soll die Kündigung treffen. Doch Krogstad kämpft um seine Chance zur Wiedereingliederung in die Gesellschaft. Er hat ein Druckmittel, von dem Thorvald nichts ahnt: Seine Ehefrau Nora, das «Singvögelchen», wie er sie nennt, die er für ein naives Kind hält und so behandelt, hat ein dunkles Geheimnis – und Krogstad weiss darum. Er droht, sie auffliegen zu lassen und ihr Familienglück zu zerstören. Nora schwankt zwischen Angst und Hoffnung; sie fürchtet einerseits die Entdeckung, sehnt aber auch das grosse Liebeszeichen von Thorvald herbei, sehnt sich danach, dass er sie in ihrem ganzen Wesen erkennt und sich schützend vor sie stellt. Dass der Vogel aus dem goldenen Käfig entlassen wird und eine echte Ehe führen kann.

Am Ende bleibt für Nora nur Resignation oder Flucht, während Krogstad und seine frühere Liebe einen neuen, besseren Weg finden – und Hausfreund Dr. Rank den ultimativen Ausweg.

Mit scharfem Seziermesser legt Henrik Ibsen in seiner «Nora» die Widersprüche und Lügen einer bürgerlichen Existenz frei. Er zeigt eine Ehe, in der sich die Partner im Grunde ihres Herzens fremd sind; einen (männlichen) Liebesbegriff, der mehr mit Besitz zu tun hat; eine (weibliche) Verblendung und Bereitschaft, die Kindheitsrolle des Prinzesschens auf ewig weiter zu leben. Vor allem aber zeigt er die verkommenen Werte eines bigotten Bürgertums: Es gibt nur den öffentlichen Makel; der, den niemand sieht, ist auch keiner.

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