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Hiob

von Joseph Roth, Konzert Theater Bern, Vidmar 1, Premiere: 19. September 2015

Regie: Ingo Berk, Bühne: Damian Hitz, Kostüme: Eva Krämer, Daramturgie: Stephanie Graeve. Musik/musikalische Leitung, Livemusik: Patrik Zeller. Mit Stéphane Maeder, Milva Stark, David Berger, Mariananda Schempp, Lukas Hupfeld, Arne Lenk, Jürg Wisbach. Musizierende: Lukas Hasle, Mia Schultz.

Sie sind Entbehrungen gewohnt, die russischen Juden des frühen 20. Jahrhunderts – Aussenseiter, arm und verachtet, fürchten sie Gewalt und Repressalien. Einer von ihnen ist Mendel Singer, ein Schullehrer, der mit dem Geld, das er verdient, kaum die Familie, seine Kinder Jonas, Schemarjah und Mirjam, ernähren kann. Und dann kommt Menuchim zur Welt, ein Krüppel und Epileptiker. Die Verzweiflung der Eltern ist gross, denn auch die Weissagung des Rabbis, Menuchim werde eines Tages gesunden, kann sie nicht trösten.

Zudem bricht bereits neues Verhängnis über die Familie herein: die Söhne müssen zur Armee. Jonas geht mit Begeisterung, wittert die Chance, aus dem engen Leben auszubrechen; Schemarjah aber flieht nach Amerika und versucht sein Glück als Kaufmann. Als Mirjam sich mit Kosaken abzugeben beginnt, sehen die entsetzten Eltern keinen anderen Ausweg, als Menuchim zurückzulassen und die gefährdete Tochter ebenfalls nach Amerika zu bringen – doch die Weltgeschichte holt sie ein.

Der grosse österreichische Schriftsteller Joseph Roth entwirft mit der Figur des Mendel Singer einen Hiob des 20. Jahrhunderts: Ein gläubiger Mensch, der infolge der Prüfungen, denen er sich ausgesetzt sieht, an seinem Gott verzweifelt. Ein Mensch, für den es kein wahres Zuhause gibt; feindlich präsentiert sich ihm das Leben im heimischen Russland, als feindlich erweisen sich die Verheissungen Amerikas, die Mendel den letzten Rest seiner Identität zu rauben drohen. Am Ende bleibt ihm nur das Bewusstsein seiner Schuld: er hat Menuchim im Stich gelassen. Was bedeutet ihm auch noch Identität ? Der Sohn Schemarjah heisst jetzt Sam, in den alten Traditionen lebt niemand mehr …

So erzählt Roth auch davon, was es heisst, ein entwurzelter Flüchtender zu sein, er erzählt von Verlust und Assimilation. Vor allem aber erzählt er eine berührende Familiengeschichte mit überraschend hoffnungsvollem Ende.

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